Inkasso-Heute: Wenn unternehmerische Kreativität alle natürlichen Grenzen sprengt




Die Berichte und Meldungen zu dubiosen Inkasso-Methoden haben einen neuen Höchststand erreicht. Ganz vorne spielen alte Bekannte eine wichtige Rolle, doch immer wieder werden auch renommierte Unternehmen mit lukrativen Aufträgen geködert. Dabei sind der Kreativität anscheinend keine Grenzen mehr gesetzt.

  • Netava Concept Billing und das „Russisch-Inkasso“:

Ein ziemlich gewagtes Schreiben der Netava Concept Billing sorgt derzeit für Furore in Blogs und Foren. Inhalt einer Zahlungsaufforderung ist die Ankündigung eines „persönlichen Besuches von Inkasso-Mitarbeitern in den späten Abendstunden“. Die Formulierungen der Netava Concept Billing können lt. Augsblog.de als versuchte Nötigung oder versuchte Erpressung gewertet werden. Betroffenen wird geraten, die nächste Polizeidienststelle mit diesem Schreiben zu konfrontieren und ggf. Anzeige zu erstatten.

Sicherlich wird es auch den ein oder anderen geben, der sich über so einen Besuch freuen würde, denn schließlich lassen sich die meisten „Mitarbeiter“ sonst nicht persönlich blicken. Natürlich bietet sich auch hier die Variante an, die Netava Concept Billing selbst persönlich zu besuchen, denn schließlich weiß man ja nie, wer so eine „Drohung“ erhält. Es soll ja bekanntlich auch Menschen (und Gruppen) geben, die sich solche Methoden nicht gefallen lassen, was ich absolut nachvollziehen kann.

Mehr über die Netava Concept Billing finden Sie bei antiabzocke.info.

  • Forderungen der Allinkasso GmbH für die New Interactive Media Ltd.: 

Ein schönes Beispiel für dumme nicht kluge Abzocker findet man derzeit bei Forderungen der Allinkasso GmbH für die New Interactive Media Ltd., deren Forderungen sich auf einen vermeintlichen Vertragsabschluss aus Januar und Februar 2008 beziehen – Jedoch existieren die besagten Seiten, auf denen das Vertragsverhältnis zustande gekommen sein soll, erst seit Anfang Oktober. Im Gespräch mit Herrn Steffes von der Allinkasso GmbH wurde mir mitgeteilt, dass man sich bereits von seinem „Kunden“ getrennt hat.

Meiner Ansicht nach, sollte die Allinkasso GmbH, die im Rahmen der Berichterstattung und Recherchen nichts zu verbergen hatte, ggf. rechtliche Schritte gegen die New Interactive Media Ltd. in Betracht ziehen, da hier offenbar ein Täuschungsversuch vorliegt. Dieses Beispiel zeigt sehr deutlich, welch bedeutende Rolle ein Inkassounternehmen für ein Abzockangebot hat, um die Forderungen seriös und rechtens wirken zu lassen. 

Weitere Informationen zur New Interactive Media Ltd. bei antiabzocke.info.

Nachtrag vom 20.10.2008: Augsburger Allgemeine zur New Interactive Media Ltd.

  • DIS – Deutsche Inkassostelle GmbH und die geschwärzten Urteile:

Die Staatsanwaltschaft ermittelt, Razzien folgen, es wird weiter gefordert und zwar u. a. für Seiten wie Nachbarschaftspost.com. Aktuell beruft man sich auf der hauseigenen Internetseite unter aktuelles-inkassorecht.de auf diverse Urteile. Das bizarre an dieser Variante ist die Tatsache, dass alle dort publizierten Urteile nachbearbeitet wurden, sprich, wichtige Anhaltspunkte wie Aktenzeichen und sogar die jeweiligen Gerichte wurden geschwärzt, was eine Rekonstruktion unmöglich macht.

Weitere Einträge zur DIS – Deutsche Inkassostelle GmbH finden Sie hier.

  • Katja Günther und die Forderungen für Abzockangebote:

Frau Katja Günther bedarf eigentlich keiner großen Vorstellung mehr, denn die Münchner Juristin versendet tausendfache Mahnungen für fragliche Onlineangebote und bedient sich dabei sehr „unkonventioneller“ Methoden. Betrugsvorwürfe gegen die Rechnungsempfänger, beigefügte Vordrucke eines gerichtlichen Mahnbescheides und gezielte Fehlinterpretationen von Gerichtsurteilen gehören bei Ihr zum Standard-Repertoire. Die Ermittlungen gegen Frau Katja Günther wegen Nötigung und Beihilfe zum Betrug laufen auf Hochtouren.

Mehr über Katja Günther und die fraglichen Vorgehensweisen finden Sie hier.  

  • Collector Forderungsmanagement und die Blue Byte FZE:

Das Collector Forderungsmanagement treibt u. a. die Forderungen für Mega-Downloads.net der Blue Byte FZE ein. Bereits Ende Juli hat das Hamburger Abendblatt auf Verbindungen zwischen dem einschlägig bekannten Abzockangebot und dem Handel von Adressdaten aufmerksam gemacht, da viele, vermeintliche Abonnenten noch nicht einmal einen Internetanschluss haben – Trotzdem wird weiter gefordert.  

Weitere Informationen zur Blue Byte FZE finden Sie hier

  • Olaf Tank fordert nicht nur für die Gebrüder Schmidtlein:

Seines Zeichens Rechtsanwalt ist Herr Olaf Tank vorrangig mit der Andreas & Manuel Schmidtlein OHG in Verbindung zu bringen, den Vorreitern aller heutigen Abo-Abzockangebote im Internet. Alles was danach kam, ist der Kategorie „Trittbrettfahrer“ zuzuordnen, doch das hält Herrn Tank nicht davon ab, auch für Abzockangebote der Content Services Ltd. und aktuell wohl auch für die media intense GmbH tätig zu werden. Auch Olaf Tank verweist auf seiner eigenen Internetpräsenz unter Forderungseinzug.de auf diverse Urteile gegen Verbraucher, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Weitere Einträge zu Olaf Tank finden Sie hier.

  • Mein Fazit:

Auch wenn es sich hier nur um einige Wenige handelt, so haben sich die negativen Auswirkungen solcher Geschäftsgebaren bereits auf die gesamte Branche ausgeweitet. Das Ergebnis ist die Abstumpfung der Verbraucher, was sich auch auf berechtigte Forderungen auswirken kann und für die Branche einen erheblichen Mehraufwand beim Eintreiben bedeuten würde. Die Inkassounternehmen selbst tragen hier eine Mitschuld, da es an klaren Signalen fehlt, dass gegen die schwarzen Schafe der Branche etwas unternommen wird.

Leider ist immer häufiger das Gegenteil der Fall, denn ein Auftrag für „Masseninkasso“ ist so lukrativ, dass ein genauer Blick auf den „neuen Kunden“ wohl oftmals vergessen wird.

  • Mein Tipp:

Ein seriöses Inkassounternehmen gibt fragliche Forderungen nach entsprechenden Hinweisen und Einwänden meist wieder an den Auftraggeber zurück. Informieren Sie das beauftragte Inkassounternehmen, wenn Sie mit einer fragwürdigen und nicht nachvollziehbaren Forderung konfrontiert werden.

PS: In diesem Zusammenhang verweise ich immer wieder gerne auf einen Beitrag über die Forderungen von der Universum Inkasso GmbH für die Abzockangebote der A. Info Media Ltd. – Manchmal ist es erstaunlich, was Kommunikation alles bewirken kann, auch wenn die Auswahl des Kunden für das Inkassounternehmen teuer wurde. 


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